Ratgeber · Grundlagen

Nachfolgeregelung: fünf Entscheidungen, alles andere ist Ausführung.

Die meisten Inhaber verwechseln Nachfolgeregelung mit Verkauf. Der Verkauf ist der letzte Schritt. Davor liegen fünf Entscheidungen, und wer sie in der falschen Reihenfolge trifft, verliert Jahre.

Reihenfolge

Die fünf Entscheidungen in der richtigen Reihenfolge

  1. Wann wollen Sie raus — wirklich?

    Nicht «irgendwann in fünf Jahren», sondern ein Jahr. Diese Zahl bestimmt alles Weitere: Ein Verkauf an Aussenstehende braucht ein bis zwei Jahre, ein Management-Buy-out fünf bis sieben, eine familieninterne Übergabe zehn bis zwölf.

  2. Wie viel Geld brauchen Sie danach?

    Rechnen Sie zuerst Ihre Altersvorsorge und Ihren Lebensbedarf, dann den Betrieb. Wer den nötigen Erlös nicht kennt, verhandelt gegen ein Gefühl statt gegen eine Zahl — und lehnt gute Angebote ab, weil sie sich zu klein anfühlen.

  3. Wer kommt in Frage?

    Familie, Kader, externer Käufer. Alle drei parallel prüfen, nicht nacheinander. 28% der Schweizer Inhaber prüfen keine Alternative zu ihrem Wunschweg — genau daran scheitern Nachfolgen.

  4. Was muss der Betrieb bis dahin können?

    Ohne Sie laufen. Das ist der einzige Punkt, der den Preis in Ihrer Hand lässt, und der einzige, der Jahre braucht.

  5. Wer verhandelt und wer prüft?

    Treuhänder für die Zahlen, Anwalt für den Vertrag, Sie für die Entscheidung. Wer alle drei Rollen selbst ausfüllt, spart Honorar und zahlt es im Kaufpreis doppelt zurück.

Was in die nächsten zwölf Monate gehört

BereichKonkretWarum es zählt
ZahlenDrei Jahresabschlüsse bereinigen, marktüblichen Inhaberlohn einsetzen, Privates trennenEin Käufer bewertet das bereinigte Ergebnis — je früher es sichtbar ist, desto glaubwürdiger
VerträgeKunden-, Liefer- und Mietverträge schriftlich und aktuellWas nicht dokumentiert ist, existiert in der Prüfung nicht
TeamZweite Führungsebene benennen und mit echter Kompetenz ausstattenDer grösste einzelne Preisfaktor
ProzesseOfferte bis Schlussrechnung im System statt im KopfReduziert das wahrgenommene Risiko des Käufers
RechtGesellschaftsform, Aktionärbindungsvertrag, Ehe- und Erbvertrag prüfenDiese Punkte lassen sich am Tag der Unterschrift nicht mehr reparieren
PersönlichWas machen Sie danach?Inhaber, die keine Antwort haben, brechen Verhandlungen ohne sachlichen Grund ab

Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Ab wann sollte ich mit der Nachfolgeregelung beginnen?

Fünf Jahre vor dem gewünschten Ausstieg, wenn Sie alle Wege offenhalten wollen. Zwei Jahre reichen für einen Verkauf an einen aussenstehenden Käufer, wenn die Zahlen sauber sind. Unter einem Jahr bestimmt der Kalender den Preis, nicht Sie.

Muss ich mich zwischen Verkauf und Beteiligung sofort entscheiden?

Nein, und Sie sollten es auch nicht. Beide Wege beginnen mit derselben Vorbereitung: bereinigte Zahlen, dokumentierte Prozesse, eine Führung neben Ihnen. Die Entscheidung fällt später und mit mehr Information.

Was kostet eine Nachfolgeregelung?

Treuhänder und Anwalt fallen in jedem Fall an, meist im vierstelligen bis unteren fünfstelligen Bereich, je nach Komplexität. Ein Vermittlungsmandat kommt mit Grundgebühr und Erfolgsprovision dazu. Ein Gespräch mit einem Direktkäufer kostet nichts — das ist der günstigste erste Schritt, um überhaupt eine Grössenordnung zu bekommen.

Was, wenn ich noch gar nicht aufhören will?

Dann ist der richtige Zeitpunkt für die Vorbereitung genau jetzt. Alles, was einen Betrieb verkäuflich macht, macht ihn auch angenehmer zu führen: weniger Abhängigkeit von Ihnen, klarere Prozesse, ein Team, das entscheidet.

Nächster Schritt

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