Ratgeber · Bewertung

Was Ihr Betrieb wert ist — und warum drei Methoden drei Zahlen ergeben.

Es gibt keinen «richtigen» Firmenwert. Es gibt einen Steuerwert, einen Ertragswert und einen Preis, den ein Käufer tatsächlich bezahlt und finanziert bekommt. Wer die drei verwechselt, verhandelt gegen eine Zahl, die niemand zu zahlen bereit ist.

Die Basis

Schritt eins: das bereinigte Ergebnis

Jede Bewertung beginnt an derselben Stelle, und sie hat nichts mit Formeln zu tun: Wie viel verdient der Betrieb wirklich, wenn er nicht Ihnen gehört? Diese Bereinigung entscheidet über mehr Franken als die Wahl der Methode.

Herausgerechnet wird alles, was mit dem Betrieb an sich nichts zu tun hat: ein Inhaberlohn, der weit über oder unter dem Marktniveau liegt, privat mitgeführte Fahrzeuge und Versicherungen, einmalige Gewinne oder Verluste, betriebsfremde Liegenschaften. Hinzugerechnet wird alles, was ein Nachfolger zusätzlich zahlen müsste, etwa eine Geschäftsführung, die Ihre Arbeit übernimmt.

Das Ergebnis dieser Übung heisst normalisiertes EBIT beziehungsweise EBITDA. Auf diese Zahl setzen alle folgenden Methoden auf. Wer sie nicht sauber herleitet, rechnet den Rest umsonst.

Methodik

Die drei Methoden und wofür sie taugen

  1. Ertragswert

    Der nachhaltig erzielbare Gewinn wird mit einem Kapitalisierungszinssatz auf einen Barwert umgerechnet. Für Dienstleistungsbetriebe wie Hausverwaltungen ist das die aussagekräftigste Sicht, weil kaum Substanz vorhanden ist. Entscheidend ist der Zinssatz: Er bündelt Grösse, Illiquidität und Inhaberabhängigkeit in einer einzigen Zahl.

  2. Praktikermethode

    Der Klassiker aus dem Steuerrecht: zweimal Ertragswert plus einmal Substanzwert, geteilt durch drei. Verankert im Kreisschreiben Nr. 28 der Schweizerischen Steuerkonferenz, das der Bewertung von Wertpapieren ohne Kurswert für die Vermögenssteuer dient. Wichtig: Das ist ein Steuerbewertungsstandard, kein Transaktionspreis — er weicht bewusst von dem ab, was ein Käufer zahlt.

  3. Multiples

    Das normalisierte EBIT oder EBITDA wird mit einem Faktor aus vergleichbaren Transaktionen multipliziert. Das ist die marktnächste Methode und die, mit der Käufer tatsächlich rechnen, vorausgesetzt, es gibt belastbare Vergleichsdaten. Genau daran hapert es in der Schweiz.

Die Faktoren, die Ihren Multiplikator verschieben

FaktorWirkung nach obenWirkung nach unten
InhaberabhängigkeitZweite Führungsebene vorhanden, Inhaber ersetzbarAlles hängt am Inhaber — der grösste einzelne Abschlagsgrund
Wiederkehrende UmsätzeService- und Bewirtschaftungsverträge mit langer LaufzeitReines Projektgeschäft ohne Wiederkehr
KundenkonzentrationKein Auftraggeber über 10 bis 15% des UmsatzesEin Kunde trägt ein Viertel oder mehr
ErtragsqualitätStabile Margen über mehrere Jahre, dokumentierte NachkalkulationSchwankende Ergebnisse ohne erkennbaren Grund
PersonalEingespieltes Team, tiefe Fluktuation, Nachwuchs ausgebildetOffene Schlüsselstellen, Wissen nicht dokumentiert
AnlagenGepflegt, altersgemischt, kein InvestitionsstauErsatzbedarf, der beim Käufer sofort anfällt

Richtung und Relevanz der Faktoren sind Branchenkonsens; belastbare Schweizer Prozentwerte für einzelne Abschläge sind öffentlich nicht verfügbar — deshalb nennen wir hier keine.

Die unterschätzte Stellschraube

Der Kapitalisierungszinssatz

Beim Ertragswert entscheidet der Zinssatz fast alles. Für die steuerliche Bewertung nach Kreisschreiben 28 legt die Eidgenössische Steuerverwaltung den Satz jährlich fest; für das Jahr 2025 beträgt er 10,0% (Vorjahr 8,75%). Das ist ein steuerlicher Richtwert, kein Marktwert.

In der Transaktionspraxis werden für Schweizer KMU Sätze im Bereich von etwa 8 bis 15% verwendet, zusammengesetzt aus risikofreiem Zins plus Zuschlägen für Illiquidität, Grösse und spezifisches Risiko. Ein Prozentpunkt mehr oder weniger verschiebt den Ertragswert deutlich — deshalb ist jede Bewertung ohne offengelegten Zinssatz wertlos.

Praktisch heisst das für Sie: Lassen Sie sich nie eine einzelne Zahl zeigen, sondern immer die Annahmen dahinter. Zwei seriöse Bewerter kommen mit denselben Zahlen zu unterschiedlichen Werten — und beide können recht haben.

Kurz beantwortet

Häufige Fragen zur Bewertung

Welche Methode ist die richtige?

Keine allein. In der Praxis rechnet man zwei bis drei Varianten und schaut, wo sie sich überschneiden. Der Ertragswert zeigt, was der Betrieb erwirtschaftet, die Praktikermethode ist der steuerliche Anker, die Multiples zeigen die Marktnähe. Auseinanderlaufende Werte sind kein Fehler, sondern eine Information.

Warum ist der Steuerwert tiefer als der Verkaufspreis?

Weil die Praktikermethode für die Vermögenssteuer gebaut wurde und Substanz stärker gewichtet als Marktnachfrage. Sie ist bewusst konservativ. Als Verhandlungsargument taugt sie deshalb nur bedingt — als Realitätscheck dagegen gut.

Was ist mein Betrieb wert, wenn er kaum Gewinn ausweist?

Vermutlich mehr, als die Erfolgsrechnung zeigt. Viele Inhaber steuern ihr Ergebnis über Lohn, Investitionen und Rückstellungen bewusst gegen null. Genau dafür ist die Bereinigung da: Sie legt offen, was der Betrieb ohne diese Gestaltung verdient.

Zählt mein Firmenwagen oder die Liegenschaft mit?

Betriebsnotwendige Anlagen fliessen in den Substanzwert ein. Betriebsfremde Werte, etwa eine Renditeliegenschaft im Firmenbesitz — werden in der Regel separat behandelt und nicht mit dem operativen Multiplikator bewertet. Das lohnt sich, sauber zu trennen: Sonst zahlt Ihnen niemand den Marktwert dafür.

Wie komme ich schnell zu einer ersten Bandbreite?

Über unseren Firmenwert-Rechner: Sie geben Umsatz, Ergebnis, Inhaberlohn und ein paar Strukturfragen ein und erhalten sofort eine Bandbreite mit offengelegten Annahmen, ohne E-Mail-Adresse und ohne Rückruf.

Nächster Schritt

Eine Bandbreite ist ein Anfang. Ein Angebot ist ein Gespräch.

Zeigen Sie uns drei Jahresabschlüsse, und wir sagen Ihnen offen, was wir zahlen würden und warum. Auch dann, wenn die Antwort unter Ihrer Erwartung liegt.

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